1.2.5.3 Wie die Einzelschule Bildungsarmut entgegenwirken kann – fünf Ideen

Manchmal stellt sich die Frage, wie man als Einzelperson oder als Einzelschule überhaupt etwas gegen Bildungsarmut tun kann. Es ist mehr möglich, als man im ersten Moment denkt. Und die folgenden Ideen muss man sich in einem Zeitzyklus von zwei bis drei Jahren vorstellen, bis sie effektiv implementiert sind. Es ist sicher richtig, dass vieles von zusätzlichen Ressourcen abhängt. Aber an vielen innovativen Schulen hat man die Erfahrung machen können, dass die intelligente Bündelung von vorhandenen Ressourcen manchen Fortschritt ermöglichte. Die einzelne Schule kann einiges bewirken. Wirklich Erfolg hat man jedoch erst, wenn die anderen Verantwortungsebenen die einzelnen Schulen ausreichend unterstützen.

1. Frühe Diagnose von Förderbedarfen
Kompensatorische Angebote bedürfen einer frühen Diagnose. Die Schule darf keine Zeit verlieren, info sie muss frühestmöglich mit individuellen Fördermaßnahmen beginnen. Bereits bei der Schuleinschreibung sind Risikokinder oft erkennbar. Insbesondere in den Bereichen Sprach- und Lesekompetenz liegen vielfältige standardisierte Tests vor. Deren Einsatz muss nach einem Plan regelmäßig erfolgen. Ideal sind drei Messzeitpunkte im Schuljahr: zu Beginn, in der Mitte und am Ende.

2. Rasche individuelle Förderung in vorbereiteten Förderstrukturen
Je nach Förderbedarf sollte eine sogenannte Förderschiene strukturell im Stundenplan verankert info sein. Eine Leseschiene zum Beispiel bedeutet, dass drei- bis viermal in der Woche zu festen Zeiten in einer Jahrgangsstufe klassenübergreifend Leseförderung stattfindet. Diese Struktur ermöglicht kompetenzstufenorientierte Differenzierung und auch die Einrichtung von kleinen Gruppen für die sehr leseschwachen Kinder (jedoch nur mit zusätzlichen Lehrerstunden umsetzbar). Insbesondere Kinder mit Zuwanderungshintergrund profitieren bei sprachlichen Förderangeboten von solchen Konzeptionen. Auch eine enge Kooperation von Kindergarten und Grundschule bei der Durchführung von Vorkursen unterstützt die Kinder. Gemeinsame Fortbildungen und ein regelmäßiger Austausch beider Institutionen über die Entwicklung der Förderkinder bringt Diagnostik und Förderung auf ein hohes fachliches Niveau.

3. Positives Selbstkonzept als pädagogisches Basisziel
Lernerfolg stellt sich oft dann ein, wenn ein Kind auch in kritischen Lernphasen davon überzeugt ist, info dass es spezifische Lernziele erreichen kann. Diese Überzeugung stellt sich vorwiegend dann ein, wenn das Kind auch alltäglich Erfolgserfahrungen machen kann. Dafür muss diagnostisch im Lernprozess möglichst genau die ‚Zone der nächsten Entwicklung' erkannt werden. Ziel ist, weder zu unter- noch zu überfordern. Es lohnt sich für diese pädagogische Grundhaltung regelmäßig Fortbildungen zu veranstalten.

4. Etablierung als Ganztagesschule
Der Ausbau von Ganztagesschulangeboten ist eine zielgerichtete Maßnahme gegen Bildungsarmut. In der ‚Studie zur Entwicklung von Ganztagesschulen – StEG' (BMBF, 2012) wird deutlich, dass Ganztagesangebote sich positiv auf die Entwicklung des Sozialverhaltens, der Motivation, sowie der schulischen Leistungen auswirkt, wenn sie dauerhaft und regelmäßig erfolgen und zudem die Qualität der Angebote hoch ist. Zudem können Ganztagesangebote auch im kulturellen und freizeitlichen Bereich neue Erfahrungen für Kinder aus bildungsarmen Familien ermöglichen.

5. Externe Unterstützung organisieren
Schulen sollten Hilfe von außen integrieren. Kleine Projekt wie ‚Lesepaten' oder ‚Mama lernt Deutsch' helfen den Kindern mit Zuwanderungshintergrund. An vielen Orten wirken auch Stiftungen wie Mercator (zusätzlicher Sprach- und Fachunterricht für Migrationskinder), die insbesondere Erfolge mit Förderlehrkräften aus einem ähnlichen ethnischen Hintergrund erzielten. Wenn die Möglichkeit besteht, externe Unterstützung zu bekommen, sollte die Schule zugreifen und mitgestalten.