1.2.5.6 Mit Eltern zu Hause im Gespräch – zehn Anregungen

Bildungsferne Familien und von Armut bedrohte Familien leben meist anders, als es Lehrerin-nen und Lehrer kennen. Höhmann (2013, S. 101) berichtet von der Erkenntnis einer sozialen Brennpunktschule in Süddeutschland: „Wir haben letztes Schuljahr vereinbart, unsere Risikokin-der zu Hause zu besuchen, danach haben wir keine Hausaufgaben mehr aufgegeben. Wir haben uns vorher nicht vorstellen können, unter welchen Bedingungen unsere Kinder teilweise leben." Risikokindern kann es nützen, wenn Lehrkräfte ihre realen Lebensbedingungen kennen. Elternbesuche sind pädagogisch gut begründbar, sie sind aber auch risikobehaftet . Es gilt die Privatsphäre zu respektieren, die eigene Rolle zu kennen (kein Beurteiler oder Kontrolleur sondern interessierte und nicht wertende Fachkraft mit Hilfeangeboten sein) und kommunikativ professionell zu agieren. Die folgenden Anregungen für ein häusliches Elterngespräch können helfen, die Risiken zu minimieren und für die Kinder pädagogisch wirksam zu sein.

Zehn Anregungen für ein Elterngespräch

1. Nehmen Sie sich Zeit für den Hausbesuch und bereiten Sie sich darauf vor. Gehen Sie entweder bewusst ergebnisoffen in das Gespräch oder klären Sie vorher für sich das Ziel des Be-suchs. Zu dieser Vorbereitung gehören auch Informationen zum Leistungsstand des Kindes, seine Begabungen, aber auch welche Förder- und Entwicklungsbedarfe bestehen.

2. Informieren Sie sich vorher über kulturelle Besonderheiten und fragen Sie gegebenenfalls noch einmal nach, wie der Nachname korrekt ausgesprochen wird.

3. Achten Sie darauf, dass die ersten Äußerungen von Ihnen über das Kind in Ihrem Gespräch positiv und annehmend sind. Die meisten Eltern möchten stolz sein können auf ihr Kind.

4. Seien Sie ein aktiver, aufmerksamer, ermutigender und ge-duldiger Zuhörer. Nehmen Sie eine interessierte Haltung - das meint auch die Körperhaltung - ein.

5. Wiederholen Sie wichtige Äußerungen und knüpfen Sie daran an.

6. Stellen Sie offene Fragen (die in Erzählsituationen münden) und vermeiden Sie eine Kette von Statements. Fragen Sie die Eltern zum Beispiel, was ihnen wichtig ist, wie sie ihr Kind se-hen und welches schulische bzw. berufliche Ziel sie sich für ihr Kind wünschen.

7. Betonen Sie durch ihre Äußerungen die Bedeutung der Eltern für die schulische Entwicklung des Kindes. Binden Sie die El-tern mit realistischen Unterstützungsmöglichkeiten ein. Beteiligen Sie die Eltern an den Lösungsfindungen.

8. Gehen Sie mit (Gefühls-)Äußerungen Ihrer Gastgeber behutsam und respektvoll um. Schaffen Sie Vertrauen und sprechen Sie nicht negativ über nicht anwesende Dritte.

9. Vermeiden Sie Verallgemeinerungen und sprechen Sie von „ich" statt „man".

10. Leisten Sie Ihren Beitrag, dass das Gespräch positiv und harmonisch endet. Bedanken Sie sich für die Möglichkeit zum Gespräch.