Gesamtkonzeption

2. Organisations- und Personalentwicklung

Welche Schritte geht eine idealtypische Leseschule in der Organisations- und Personalentwicklung zu Beginn eines mehrjährigen Leseprojekts? Unter Organisationsentwicklung versteht Rolff (2003) folgende Inhaltsbereiche: Schulleitbild, Schulprogramm, Schulkultur, Erziehungsklima, Schulmanagement, Teamentwicklung, Evaluation, Kooperation, Steuergruppe, u.a.

Personalentwicklung umfasst bei Rolff (ebd.) Zielvereinbarungen zur Weiterbildung, Lehrer-Feedback, Kommunikation und Kooperation im Kollegium, Schulleitungsberatung, Jahresgespräche, Hospitationen, u.a.

Die folgenden acht Schritte zeigen den möglichen Weg zu einer (idealtypischen) Leseschule auf. Es sei darauf hingewiesen, dass die Schulen in Wirklichkeit ihren jeweils eigenen Weg gehen. Trotzdem kann bei der Orientierung zu Beginn des Weges folgende Schrittfolge helfen.
 


1. Schritt: Wir entscheiden uns für ein Leitbild: „Wir sind eine Leseschule!“

Eine solche Entscheidung basiert auf den Bedürfnissen der Schülerinnen und Schüler. Besonders Schulen mit nur unterdurchschnittlichen Leseleistungen haben besonders Grund, eine Leseschule zu werden. Ohne gute Lesekompetenzen bleibt alles andere (schulische) Lernen ebenfalls nicht gut. Auch Schulen mit „nur“ durchschnittlichen Leseleistungen können von einer „Leseschule“ sehr profitieren. Denn je höher die Lesekompetenz an einer Schule entwickelt ist, desto anspruchsvollere Inhalte können vermittelt werden. Lesekompetenz ist ein entscheidender Qualitätsfaktor für die Effizienz des Lernens an einer Schule. Wesentlich ist, dass die Leitbildentscheidung von allen betroffenen Schulgruppen breit getragen wird. Große Teile des Kollegiums und der Elternschaft müssen eine Schwerpunktsetzung „Lesen“ engagiert mittragen können. Die Entscheidung für ein Leitbild wird in einer Gesamtkonferenz diskutiert und beschlossen. Idealerweise ist der Elternbeirat von Anfang an eingebunden. Erfahrungen zeigen, dass das Thema „Lesen“ sowohl in der Elternschaft wie im Kollegium einen hohen Anerkennungswert hat. Differenzierteres siehe Baustein 2 im Leseportal.

 

2. Schritt: Schulleitung und Kollegium installieren gemeinsam eine Steuergruppe

In einem möglichst offenen Verfahren bildet sich eine Steuergruppe. Sie hat die Aufgabe, das Gesamtprojekt auf Basis der Beschlüsse der Gesamtkonferenz zu organisieren. In einer Steuergruppe zum zentralen Leitbildthema der Schule muss stets die Schulleitung vertreten sein. Dies verkürzt die Entscheidungswege und macht die Steuergruppe zu einer bedeutenden Gruppe an der Schule. Eine kluge Schulleitung hält die Teilnahme an den Steuergruppenterminen für alle Lehrkräfte offen.

 

3. Schritt: Die Steuergruppe installiert einen Lese-Jour-Fixe

Im ersten dreiviertel Jahr des Projekts gibt es viele Dinge zu organisieren und auf den Weg zu bringen. Termine, auf die man sich langfristig einstellen kann, werden schnell nicht mehr als lästig empfunden (falls man dann auch produktiv arbeitet). Die Erfahrung zeigt, dass vierzehntägige Abstände sinnvoll sind. Damit können sich auch Kollegiumsmitglieder auf Termine einstellen, wenn sie nicht feste Mitglieder der Steuergruppe sind.

 

4. Schritt: Die Steuergruppe organisiert die nötigen Weiterbildungsschritte

Die Etablierung einer Leseschule hängt eng mit dem Wissen über Leseförderung im Kollegium ab. Die neuen didaktischen Erkenntnisse aus der Leseforschung müssen vermittelt werden. Dieser Aspekt der Personalentwicklung ist zentrale Aufgabe der Steuergruppe. Hierbei werden sowohl Thematiken für alle am Projekt teilnehmenden Lehrkräfte ausgewählt sowie die Themenbereiche für Spezialistentandems.

 

5. Schritt: Die Steuergruppe bereitet ein Leseprogramm im Mai/Juni für die Gesamtkonferenz vor

Zuerst müssen alle bestehenden Leseförderaktivitäten und bereits verankerte Aspekte der Leseförderung in das künftige Leseprogramm an erster Stelle integriert werden, wie zum Beispiel eine bereits vorhandene Kooperation mit der Gemeindebücherei. Danach werden die weiteren Programmpunkte eingepasst. Wichtig ist, dass über längere Zeiträume geplant wird und dass Meilensteine fixiert werden. Es schadet nie, wenn man einen Dreimonatspuffer einbaut, sodass eine Flexibilisierung der Umsetzung möglich wird. Die Steuergruppe sollte für diese Arbeit ihre Termine öffnen, so dass alle Lehrkräfte potentiell die Möglichkeit haben, von Anfang an bei der Programmgestaltung mitwirken zu können.

 

6. Schritt: Die Gesamtkonferenz diskutiert, ergänzt und beschließt das Leseprogramm

Wesentlich ist, dass die Steuergruppe das Leseprogramm vorbereitet, aber nicht beschließt. Der Gesamtlehrerkonferenz (falls möglich, integriert die ideale Leseschule bereits hier den Elternbeirat) bleibt es vorbehalten, die grundsätzlichen Beschlüsse zu fassen. Danach kann die Steuergruppe auch mit Autorität dieses Programm umsetzen.

 

7. Schritt: Die Steuergruppe organisiert die nötigen Arbeiten zur Umsetzung des Leseprogramms (incl. Förderschiene)

Will man eine Förderschiene zum Beispiel in zwei Jahrgangsstufen etablieren, müssen bereits stundenplantechnische Entscheidungen vor Beginn des neuen Schuljahres getroffen werden. Fortbildungstermine, Referenten und Materialien gilt es zu besorgen. Klassenlektüren müssen ausgesucht, abgesprochen und bestellt werden. Für Spezialthemen müssen Lehrertandems gefunden und motiviert werden, um das nötige Fachwissen aufzubauen. Es gibt viel zu tun!

 

8. Schritt: Die Steuergruppe initiiert mit großer Sorgfalt die Jahrgangsstufenteams

Die Wirkungen von Weiterbildungen und die Effizienz von Schulprogrammen hängen von der Qualität der Teamarbeit an einer Schule ab. Ganz nahe am Unterricht arbeiten die Jahrgangsstufenteams. Sie sind die Garanten dafür, dass die Qualität der Leseförderung tatsächlich steigt. Die Weiterbildungen können noch so gut sein, die Schulleitung noch so kreativ und flexibel sein, die Steuergruppe kann noch so effizient sein, wenn die Jahrgangsstufenteams nicht gut arbeiten, war vieles umsonst. Es lohnt sich, viel Mühe auf die Einführung von Jahrgangsstufenteams zu verwenden. Oft hilft es, als Schulleitung den Jahrgangsstufenteams einen festen Wochen-Jour-Fixe einzurichten.

8 Schritte

Meist umfasst die Organisationsentwicklung einer Leseschule noch viele weitere Einzelaspekte. Hier wird mit den acht Schritten darauf Wert gelegt, die Leitbildentscheidung einerseits integrativ und kommunikativ auf den Weg zu bringen, andererseits eine effektive organisatorische Umsetzung durch die Installierung einer Steuergruppe zu gewährleisten. Vieles an Lösungen entsteht im Prozess und benötigt eine flexible und engagierte Steuergruppenarbeit. Konfliktmanagement und die Einbindung von Skeptikerinnen und Skeptikern sind weitere Aufgaben der Steuergruppe bzw. der Schulleitung.

 

Das folgende Beispiel eines idealtypischen Lese-Schulprogramms zeigt auf, welche Schwerpunkte mit Blick auf die Weiterbildungsinhalte vorstellbar sind.

1. Beispiel

1. Beispiel eines idealtypischen Lese-Schulprogramms für zwei Jahre mit Fokus auf die Weiterbildungsinhalte

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2. Beispiel

2. Beispiel eines idealtypischen Lese-Schulprogramms für zwei Jahre mit Fokus auf Methodik und Didaktik)

(zum Öffnen Bild anklicken)