Gesamtkonzeption

4. UE – Psychologische & Pädagogische Aspekte des Lesens

Zum Lesen zwingen kann man nicht. Jeder Mensch, jedes Kind entscheidet für sich, ob es einen Text liest und versucht, diesen auch zu verstehen. Diese Bereitschaft zu lesen, die Motive bestimmte Inhalte zu lesen, der Wille, sich bei schwierigen Texten auch anzustrengen u.a.m. sind psychologische, manchmal pädagogische Aspekte des Lesens, um die man sich als Lehrende kümmern muss. Insbesondere bei Schülern im unteren Leistungsdrittel werden diese Aspekte des Lesens auch aus diagnostischer und didaktischer Sicht wichtig. Denn Kinder, die kumulativ emotional negative Leseerfahrungen in ihrem Leben gemacht haben, lesen wenig, lesen ungerne und verstehen auch leichte Texte kaum. Die Ursachen hierfür liegen oft im emotionalen Bereich und müssen von dieser Seite her verstanden und aufgelöst werden (z.B. durch ein kumulatives Angebot an emotional positiv besetzten Lesesituationen und -herausforderungen).

Es gibt fünf psychologisch-pädagogische Aspekte des Lesens, die in der alltäglichen Leseförderung eine zentrale Bedeutung haben:

  1. Das Leseselbstkonzept (Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit)
  2. Die Lesemotivation (Leselust, Leseinteresse,  Leseflow)
  3. Die Lesevolition (Lese-Anstrengungsbereitschaft)
  4. Das metakognitives Lesewissen (das Wissen über den eigenen Umgang mit den das Verstehen unterstützenden Lesestrategien)
  5. Das Leseverhalten (geschlechtsspezifisch und in der peer-group)

 

 

Im Folgenden soll nun in drei Schritten erläutert werden, wie eine (idealtypische) Leseschule die pädagogisch-psychologischen Aspekte des Lesens in die alltägliche Förderarbeit einbezieht:

  1. Schritt:  Weiterbildung  für alle Beteiligten (Gewinnung eines Überblicks)
    Eine (idealtypische) Leseschule bildet sich in den zentralen Inhalten der psychologisch-pädagogischen Aspekte des Lesens weiter. Für alle am Leseprojekt Beteiligten wird ein
    Überblickswissen bereitgestellt. Für die einzelnen Aspekte sucht die idealtypische Leseschule interne Expertentandems, die sich fachlich intensiver einarbeiten.
  1. Schritt: Umsetzung des fachlichen Wissens in konkrete Förderarbeit
    Eine Leseschule sucht Wege, die theoretischen Grundlagen in konkrete Förderkonzeptionen umzusetzen. Folgende Bereiche sind wichtig für eine erfolgreiche Förderung:
    a) Stärkung von positiven Leseselbstkonzepten,
    b) didaktische Ideen zur Steigerung der Lesemotivation,
    c) Strategien zur Entwicklung von Leseanstrengungsbereitschaften,
    d) Heranführen der Schüler zur Selbstreflexion des eigenen Leseverhaltens
    e) besondere Unterstützung der Risikoschüler (Leser mit negativem Selbstkonzept)
    f) anspruchsvolle Lernwege öffnen für Superleser
    g) Auswahl passender Fördermaterialien
    h) kreative Lösungen für praktikable Differenzierungsstrukturen (Liftkurse, Förderschiene,
    offene Lernformen, …)
  1. Schritt: Eine Leseschule arbeitet in Teams (auch zur Absicherung des Erfolgs)
    Teams arbeiten effektiver als Einzelpersonen. Teams gleichen Schwächen einzelner Personen aus und Teams verarbeiten Informationen zielgerichteter und zuverlässiger. Eine Leseschule etabliert an folgenden Stellen dauerhafte Teamstrukturen:
    - in den Jahrgangsstufen mit Jahrgangsstufenteams
    - auf Schulebene mit der Steuergruppe
    - auf der Ebene von Spezialthemen mit Expertentandems
Die psychologisch-pädagogischen Aspekte des Lesens sind wichtige lerntheoretische Grundlagen für eine erfolgreiche Leseförderung. Es dauert seine Zeit, bis diese Grundlagen in wesentliche Teile des Kollegiums weitervermittelt werden können. Gelingt dies jedoch, dann wird die Leseförderung nachhaltig erfolgreich.