Gesamtkonzeption

5. UE – Risikoschüler & Superleser    

In jeder Schule gibt es schwache und sehr schwache Leserinnen und Leser. Sie bedürfen der besonderen Unterstützung durch die Schule. Die Chance für schwache Schüler in der Schule irgendwann Erfolg zu haben, hängt eng mit dem Erwerb von Lesekompetenz zusammen. Der begriff Risikoschüler stammt aus der PISA-Debatte und meint jene Schüler, die durch mangelnde Lesekompetenz im späteren Leben das Risiko eingehen, beruflich, kulturell und politisch im Leben nicht die jeweiligen Mindeststandards erfüllen zu können. Risikoschüler haben eine wenig gelungene Lesesozialisation hinter sich, die viel mit emotional negativen Leseerfahrungen zu tun hat. Ein Teil dieser Schüler kann innerhalb der Klasse nicht ausreichend gefördert werden. Für diese Gruppe müssen Liftkurse mit 3-5 Förderstunden pro Woche eingerichtet werden. Manchmal müssen diese Schüler zwei bis drei Jahre durchgehend individuell in Gruppen mit maximal sieben Kindern gefördert werden, bis sie eine akzeptable Lesekompetenz erworben haben. Dann jedoch haben sie Chancen auf einen Schulabschluss und einen (‚einfachen’) Ausbildungsberuf. Eine idealtypische Leseschule investiert Lehrerstunden, Weiterbildungskapazitäten und Lehrerengagement in die Gruppe der Risikoschüler.

Neben der Gruppe der Risikoschüler bedarf die Gruppe der ‚Superleser’, der überdurchschnittlich kompetenten Leserinnen und Leser, einer differenzierten Förderung. Diese Schüler müssen Leseherausforderungen vorfinden und mit Aufgabenstellungen konfrontiert werden, die ihnen gemäß sind (z. B. selber Prosatexte oder Bücher schreiben, Theaterstücke konzipieren und aufführen, oder informative Texte für den Sachunterricht schreiben). In Maßen können diese Schüler auch für spezielle Förderviertelstunden mit leseschwachen Schülern eingesetzt werden.

 

Eine idealtypische Leseschule kümmert sich in vier Schritten um ihre Risikoschüler und Superleser:

 

  1. Bündelung des vorhandenen Wissens und Organisation von Weiterbildung zur Förderung von Risikoschülern
    Schwache und sehr schwache Leserinnen und Leser zu fördern ist eine ganz besondere Herausforderung. Neben der Berücksichtigung der emotionalen und psychologischen Hintergründe müssen auch besondere didaktisch-methodischen Wege beschritten werden, will man Erfolg haben. Zudem ist die gesamte Diagnostik sehr anspruchsvoll. Für all dies ist das vorhandene Wissen und Können zu bündeln und neue Kenntnisse im betroffenen Lehrerkreis zu verankern. Förderlehrkräfte in Risikoschülergruppen brauchen auch den Austausch mit anderen. Die z.T. sonderpädagogischen Problemstellungen können besser in einem Rahmen von Weiterbildung, Expertenaustausch und Netzwerkarbeit gelöst werden.

  2. Schritt: Einrichtung von Liftkursen für Risikoschüler
    Risikoschüler brauchen eine intensive, eher individuelle Förderung. Dies kann i.d.R. nicht durch innere Differenzierung alleine bewerkstelligt werden. Man benötigt kleine Liftkurse (möglichst täglich) in der Größe von 5-7 Schülerinnen und Schülern, die langfristig von einem erfahrenen und engagierten Lehrertandem geleitet werden (gemeint sind zwei Lehrkräfte für zwei Kurse). Die Tandemkonstruktion sichert die Nachhaltigkeit der Qualität ab und die Wochenstundenzahl (3-5 Lehrerstunden) garantiert den Fördererfolg. Für Liftkurse dieser Qualität besuchen die Lehrkräfte auch gerne Fortbildungen und tauschen sich in Netzwerken aus.

  3. Schritt: Aufbau eines Pools an Fördermaterialien
    Risikoschüler brauchen besonderes Fördermaterial. Dieses muss von einem Expertentandem gesichtet und erprobt, sowie im Kollegium in seinem Gebrauch vermittelt werden. Diese Fördermaterialien sollten so archiviert sein, dass sie allen Lehrkräften zugänglich sind und strukturiert katalogisiert sind.

  4. Schritt: Spezielle Aufgaben für Superleser
    Eine Leseschule fördert ihre guten Leserinnen und Leser mit dem Ziel, sie zu einer herausragenden Lesekompetenz zu führen. Superleser können in entsprechenden Kursen oder in Strukturen offener Unterrichtsformen betreut werden. Die Gruppe der Superleser braucht keine kleinen Gruppengrößen. Im Zentrum steht hier die interessengeleitete Selbststeuerung.