Gesamtkonzeption

7. Evaluation & standardisierte Lesetests 

Eine Leseschule zu werden ist ein eher komplexer Prozess. Es sind viele Menschen beteiligt, man muss viele Absprachen treffen, bei der Umsetzung passieren manchmal Fehler und es ist nicht immer leicht, den Überblick zu behalten. Für solch umfangreiche Projekte benötigt man in regelmäßigen Abständen Reflexionsphasen. In diesen Phasen lässt man die vergangene Projektzeiträume Revue passieren und diskutiert mit allen Betroffenen die positiven und problematischen Entwicklungen.

  1. Die Evaluation des Projekts an sich
    Für das Projekt an sich, die Kooperationen, die Arbeit der Expertentandems, die Wirkungen der Steuergruppe und die Tätigkeiten der Schulleitung sollte einmal zum Ende des Schuljahres eine (kleine) schriftliche Evaluation oder ein Feedback-Gespräch angesetzt werden.

    Wie wird die Steuergruppe im Kollegium gesehen. Welche Rückmeldungen kommen von der Elternschaft. Wie gelingt die Weitergabe von Expertenwissen an das Kollegium? Welche organisatorischen Probleme ergeben sich im Alltag. Wie kommt das Fördermaterial bei den Klassenlehrkräften an? Hierfür finden Sie im Baustein 7 des Leseportals „wir-foerdern-lesen.de“ einige Anregungen und Vorlagen.

  2. Die Evaluation der Leseförderung durch standardisierte Lesetests
    Zu Beginn des zweijährigen Leseprojekts macht es Sinn den Ist-Stand der Lesekompetenz bei den Schülerinnen und Schülern zu eruieren. Nur wenn man die Ausgangssituation kennt, kann man später messen, inwieweit die Schüler wirklich besser geworden sind. Hierfür verwendet man standardisierte Lesetests. Sie sind so konstruiert, dass sie den normalen, allein durch den normalen Unterrichtsbesuch an sich entstehenden Lesekompetenzzuwachs isolieren und den durch die spezielle Leseförderung entstandenen Kompetenzzuwachs abbilden können. Dies geschieht mit Normwerttabellen, die auf bestimmte Schulbesuchszeiten geeicht sind. Am Ende des Schuljahres wird ein zweiter Test durchgeführt und die Ergebnisse mit dem ersten Test verglichen. Damit kann man erkennen, welche Veränderungen durch ein Jahr Leseförderung bewirkt werden konnten. Am Ende des zweiten Schuljahres wird ein Abschlusstest durchgeführt, der Aufschluss gibt, welchen Stand die beteiligten Klassen nach zwei Jahren Leseförderung erreicht haben.

Mit den Lesetests kann man die geleistete Arbeit nach innen und außen dokumentieren. Eine (idealtypische) Leseschule geht in Sachen Evaluation im ersten Projektjahr folgende Schritte:

September: Durchführung eines Lesetests in allen beteiligten Klassen
Oktober: Mit den Lesetestergebnisse und den Lehrereinschätzungen die Schüler nach
Kompetenzstufen einteilen
Oktober: Einführung der Förderschiene und differenzierte Leseförderung beginnen
Februar: Kurzevaluation/Feedback zur Arbeit der Steuergruppe
Februar: Auf Lehrerkonferenz Feedback zur Steuergruppenarbeit diskutieren und
evtl. Veränderungen entwickeln
Februar: Feedbackrunde auf Lehrerkonferenz zur bisherigen Leseförderung – Fördermaterial, Methoden, Differenzierungsmaßnahmen und Kooperation auf den Prüfstand stellen
Juni: Zweiten Lesetest durchführen, auswerten und reflektieren
Juni; Gesamtfeedback zur Leseförderungen, Steuergruppenarbeit und Kooperation in der Lehrerkonferenz auf den Weg bringen, reflektieren und wo nötig Veränderungen planen

        

Evaluation im obigen Sinne bedeutet, dass man alle Beteiligten in die anstehenden Entscheidungsprozesse einbezieht und alle mit der Leseförderung gemachten Erfahrungen ernst nimmt.

 

Der Einsatz von standardisierten Lesetests ermöglicht eine gewisse Objektivierung der Förderarbeit. Man sollte mit den Testergebnissen (zumindest in Bezug auf die gesamte Schulpopulation) völlig offen und transparent umgehen. Dies bedeutet, dass die Ergebnisse offen der Elternschaft mitgeteilt werden und auch in den Klassen besprochen werden sollten. Die Schüler haben erfahrungsgemäß ein großes Interesse daran, über ihre eigene Leseentwicklung Bescheid zu wissen. Offenheit und Transparenz auch bei nicht so guten Testergebnissen führen dazu, dass die Eltern die selbstkritische Haltung der Schule honorieren und das Kollegium die Chance erhält, Korrekturen vorzunehmen. Bei den meisten Schulen jedoch waren bisher die Testergebnisse in den Netzwerken „wir-foerdern-lesen“ gut bis sehr gut. Engagement lohnt sich immer.