Lesekompetenz

1    Die pragmatische Literacy-Konzeption (PISA & IGLU)

Diese Konzeption stammt aus der anglo-amerikanischen Sprachforschung und fragt nach den Basisqualifikationen, die in einer modernen Wissensgesellschaft die berufliche, kulturelle und politische Teilhabe an der Gesellschaft mit Erfolg absichern. Darauf basiert das Lesekompetenzmodell von PISA und IGLU. Dieses Konzept orientiert sich an einem kognitionstheoretischen Ansatz, der Lesekompetenz in erster Linie als korrekte Informationsaufnahme versteht. Dabei wird berücksichtigt, dass die Verknüpfung der explizit im Text angeführten Informationen mit den zur Thematik passenden Wissensbeständen des Lesers zu einem sinnvollen Gesamtverständnis des Textes  gehören. Diese Wissensbestände sind nicht im Text aufgeführt, sondern beruhen auf früheren Aneignungsprozessen. Dieser Ansatz lässt sich in drei Teildimensionen beschreiben:

  • (1) Informationen ermitteln
  • (2) textbezogenes Interpretieren
  • (3) Reflektieren und Bewerten

Dieses Modell ermöglicht auch die Durchführung von vergleichenden standardisierten Lesetests wie bei PISA, VERA und IGLU. Das Modell wird in der Fachliteratur teilweise kritisiert, da es sich nur auf die korrekte Informationsaufnahme aus Texten konzentriert und so wichtige Dimensionen wie Lesemotivation, Lesesozialisation und kommunikativ-interaktive Leseprozesse im Verlauf der Kindheits- und Jugendphase nicht einbezieht.