1.1.3 Acht idealtypische Schritte in der Organisationsentwicklung

infoWelche Schritte geht eine idealtypische Leseschule zu Beginn eines mehrjährigen Leseprojekts?  Wer eine erfolgreiche Leseschule werden will, muss vieles in der Gesamtorganisation anpassen oder verändern. Unter Organisationsentwicklung versteht Rolff (2003) fussnote folgende Inhaltsbereiche: Schulleitbild, Schulprogramm, Schulkultur, Erziehungsklima, Schulmanagement, Teamentwicklung, Evaluation, Kooperationen (intern & extern), Steuergruppe, u.a.
Personalentwicklung umfasst bei Rolff (ebd.) Zielvereinbarungen zur Weiterbildung, Lehrer-Feedback, Kommunikation und Kooperation im Kollegium, Schulleitungsberatung, Jahresgespräche, Hospitationen, u.a. mehr.

 

1. Schritt: Wir entscheiden uns für ein Leitbild fussnote: „Wir sind eine Leseschule!"info
Eine solche Entscheidung basiert auf den aktuellen Förderbedürfnissen und Leistungsdaten der Schülerinnen und Schüler.  Schulen mit unterdurchschnittlichen Leseleistungen (in bildungsbenachteiligten Kommunen und Stadtteilen) haben Grund, eine Leseschule zu werden. Ohne gute Lesekompetenzen bleibt alles andere (schulische) Lernen ebenfalls unbefriedigend. Auch Schulen mit bereits durchschnittlichen Leseleistungen können von einem Projekt „Leseschule" profitieren. Denn je höher die Lesekompetenz an einer Schule entwickelt ist, desto anspruchsvollere Inhalte können vermittelt werden. Wesentlich ist, dass die Leitbildentscheidung von allen betroffenen Schulgruppen breit getragen wird. Große Teile des Kollegiums und der Elternschaft müssen eine Schwerpunktsetzung „Lesen" engagiert mittragen können.

 

2. Schritt: Schulleitung und Kollegium installieren gemeinsam eine Steuergruppe fussnote info
In einem möglichst offenen Verfahren bildet sich eine Steuergruppe. Sie hat die Aufgabe, das Gesamtprojekt auf Basis der Beschlüsse der Gesamtkonferenz zu
organisieren. In einer Steuergruppe zum zentralen Leitbildthema der Schule sollte die Schulleitung vertreten sein. Dies verkürzt die Entscheidungswege und macht die Steuergruppe zu einer bedeutenden Gruppe an der Schule. Eine kluge Steuergruppe hält die Teilnahme an den Steuergruppenterminen für alle Lehrkräfte offen.

 

3. Schritt: Die Steuergruppe installiert einen Lese-Jour-Fixe für seine Arbeit info
Zumindest im ersten Jahr des Projekts gibt es viele Dinge zu organisieren und auf den Weg zu bringen. Jour-Fixe-Termine, auf die man sich langfristig einstellen kann, werden nicht mehr als unangenehm empfunden. Die Erfahrung zeigt, dass vierzehntägige Abstände sinnvoll sind. Damit können sich auch Lehrkräfte auf Termine einstellen die nicht feste Mitglieder der Steuergruppe sind, aber sie bei bestimmten Themen unterstützen wollen.

 

4. Schritt: Die Steuergruppe organisiert die nötigen Weiterbildungsschritte info
Die Etablierung einer Leseschule hängt eng mit dem Wissen über Leseförderung im Kollegium ab. Die neuen didaktischen Erkenntnisse aus der Leseforschung müssen vermittelt und vom Kollegium adaptiert werden. Dieser Aspekt der Personalentwicklung ist zentrale Aufgabe der Steuergruppe. Hierbei werden sowohl Thematiken für alle am Projekt teilnehmenden Lehrkräfte ausgewählt sowie die Themenbereiche für die Expertentandems.

 

5. Schritt: Die Steuergruppe bereitet ein Leseprogramm im Mai/Juni für die Gesamtkonferenz vor info
In einem Leseprogramm werden alle Ziele und Maßnahmen für die nächsten Jahre erfasst. Dabei sollten zunächst alle bestehenden erfolgreichen Leseförderaktivitäten und bereits an der Schule verankerte Maßnahmen der Leseförderung in das künftige Leseprogramm integriert werden, wie zum Beispiel eine bereits vorhandene Kooperation mit der Gemeindebücherei oder etablierte Lesenächte. Danach werden die weiteren Programmpunkte eingepasst. Wichtig ist, dass über längere Zeiträume geplant wird und dass Meilensteine fixiert werden.

 

6. Schritt: Die Gesamtkonferenz diskutiert, ergänzt und beschließt das Leseprogramm info
Wesentlich ist, dass die Steuergruppe das Leseprogramm vorbereitet, aber nicht beschließt. Der Gesamtlehrerkonferenz (falls möglich, integriert die ideale Leseschule bereits hier den Elternbeirat) bleibt es vorbehalten, die grundsätzlichen Beschlüsse zu fassen. Danach kann die Steuergruppe mit Autorität dieses Programm umsetzen.

 

7. Schritt: Die Steuergruppe organisiert die nötigen Ar-beiten zur Umsetzung des Leseprogramms (inkl. Förderschiene)
info

Will man eine Leseförderschiene fussnote zum Beispiel in zwei Jahrgangsstufen etablieren, sollten stundenplantechnische Entscheidungen vor dem Schuljahreswechsel getroffen werden. Fortbildungstermine, Referenten und Materialien gilt es zu besorgen. Klassenlektüren müssen ausgesucht, abgesprochen und bestellt werden. Für Spezialthemen müssen Lehrertandems gefunden und Anreize geschaffen werden, um das nötige Fachwissen aufzubauen. Die Steuergruppe sollte für ihre Arbeit die Sitzungstermine öffnen, so dass alle Lehrkräfte potenziell die Möglichkeit haben, von Anfang an mitwirken zu können.

 

8. Schritt: Die Steuergruppe initiiert mit großer Sorg-falt die Jahrgangsstufenteams info
Die Wirkungen von Weiterbildungen und die Effizienz von Schulprogrammen hängen von der Qualität der Teamarbeit an einer Schule ab. Ganz nahe am Unterricht arbeiten die Jahrgangsstufenteams. Sie sind die Garanten dafür, dass die Qualität der Leseförderung tatsächlich steigt. Die Weiterbildungen können noch so gut sein, die Schulleitung noch so kreativ und flexibel sein und die Steuergruppe kann noch so effizient sein, wenn die Jahrgangsstufenteams nicht gut arbeiten, war vieles umsonst. Es lohnt sich, viel Mühe auf die Einführung von Jahrgangsstufenteams zu verwenden. Oft hilft es, als Schulleitung den Jahrgangsstufenteams einen festen Wochen-Jour-Fixe einzurichten (z.B. jeden Donnerstag 6. Stunde).